Nach Corona kam die eigentliche Krise

Russland: Erfahrungen eines Missionars

Slawa Grinj, Missionar und Gemeindegründer in Jekaterinburg, schreibt:

„Während der Online-Übertragungen unserer Veranstaltungen schreiben Menschen ihre Kommentare und Gebetsanliegen, darunter sind auch einige Personen, die sich bisher noch gar nicht mit dem Glauben auseinandergesetzt haben. Sie freuen sich, uns gefunden zu haben, und können es kaum erwarten, nach den Beschränkungen dann erstmals mit den Gläubigen zusammenzukommen.

Donnerstags studieren wir die Heilige Schrift, und es schließen sich uns Menschen aus ganz Russland an. Einmal sagte ein Mitglied unserer Gemeinde: „Ich habe mich eingeklinkt und dachte schon, es sei nicht meine Gemeinde – so viele neue Gesichter waren es.“ Auch unsere Hauskreise und sonstigen Treffen setzen wir online fort. Insgesamt erreichen wir so viel mehr Menschen als bei unseren Treffen in der Gemeinde. Dafür sind wir Gott sehr dankbar.

Übrigens haben wir ein paar Monate vor dieser Pandemie unseren großen Versammlungsraum verloren, sodass wir uns in einem kleineren treffen mussten, was ziemlich unbequem war. Das machte uns traurig, wir beteten für eine bessere Lösung und suchten nach einem größeren Raum. Gott aber wusste, dass dieser kleine Saal bald ausreichen würde für den Prediger und die Sänger für die Online-Gottesdienste.

Auch wenn alles erstaunlich gut klappt und Gott selbst aus solchen Situationen etwas Gutes machen kann, ist es trotzdem eine Herausforderung. Denn die Online-Treffen nehmen nicht weniger Zeit in Anspruch als die realen. Außerdem lernen auch unsere vier Kinder alle von zu Hause aus. Dadurch sind die Technik und das Internet immer wieder überlastet.

Doch wie sich herausstellen sollte, wartete auf unsere Familie eine noch viel größere Herausforderung, mit der wir nach wie vor zu kämpfen haben. Die Kontaktsperre wurde immer strenger, die Krankenhäuser wurden unter Quarantäne gestellt. Und als die Polikliniken praktisch geschlossen wurden und keine Patienten mehr aufnahmen, klagte unsere älteste 18-jährige Tochter Amalia über eine schmerzhafte Lymphknotenvergrößerung. Unter den erschwerten Bedingungen der Krise mussten wir viele verschiedene Fachärzte für Untersuchungen aufsuchen, bis schließlich bei Amalia ein Lymphdrüsenkrebs im 3. Stadium diagnostiziert wurde, der auch schon andere Organe befallen hat. Nach Vorliegen des Ergebnisses der Gewebeuntersuchung ist eine entsprechende Therapie vorgesehen. Bitte beten Sie für unsere Familie.“

So halfen wir einigen Gemeinden in verschiedenen Städten und Dörfern. Die Freude und Dankbarkeit der Menschen war überwältigend.“

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