Die Lage in Estland, in der Ukraine und in Kasachstan

Einige unserer Partner vor Ort berichten zur Corona-Situation in ihrem Land

Damit Sie sich ein Bild von der Situation in unseren Einsatzländern machen können, haben wir unsere Partner um eine kurze Beschreibung der Situation gebeten.

 

 

ESTLAND: Pawel Wesikow, Leiter von LICHT IM OSTEN Estland, zu Erfahrungen mit der Situation in seinem Land:

„Als die Quarantäne begann, haben wir als Gemeinde um Schutz für Kirche, Stadt und Land gebetet, und das umso mehr auf Pressemeldungen hin, dass unsere russischsprachige [wenig angesehene] Region Ida-Virumaa ein besonderer Gefahrenherd sei. Unsere Region stellte sich dann jedoch als die sicherste von ganz Estland heraus. Die für Corona-Patienten reservierten Krankenhaus-Stationen sind bei uns bis jetzt leer geblieben. Der größte Krisenherd im Land war dann die Insel Saaremaa, der Stolz Estlands. Gott scheint Humor zu haben.

Unsere Gemeinde ist zu Online-Gottesdiensten auf YouTube übergegangen. Wenn unsere Gebetsstunden früher von 30 bis 40 Personen besucht wurden, so haben die Online-Veranstaltungen zwischen 150 und 200 Aufrufe erhalten. Bei unserem Sonntags-Gottesdienst waren es sogar 500 Aufrufe. Das hat uns überrascht und ist uns eine Freude!

Wir haben begonnen, alleinstehende ältere Menschen anzurufen und nach ihrem Ergehen zu fragen. So sind sich Menschen sogar während der Quarantäne nähergekommen. Wie groß war erst die Freude, als wir uns am vergangenen Sonntag unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften wieder versammeln konnten. Die Quarantäne hat uns geholfen zu erkennen, wie wichtig wir füreinander sind.

Nun kehren wir langsam zur Normalität zurück. Bis jetzt versammelt sich jeweils nur ein Teil der Gemeinde unter Wahrung der Vorsichtsmaßnahmen. Für die Menschen, die noch nicht riskieren, ihr Haus zu verlassen, bieten wir weiterhin Online-Gottesdienste an bis zum vollständigen Ende der Maßnahmen.

In unserer Stadt scheint es keinerlei Panik zu geben. Offensichtlich nehmen alle die Situation als selbstverständlich hin. In den Lebensmittelgeschäften gibt es genügend Lebensmittel. Die anderen Geschäfte öffnen nun auch nach und nach wieder.

Ab Mitte Juni wird es wieder möglich sein, Freizeiten durchzuführen. Darauf freuen wir uns!“

 

 

UKRAINE: Pawel Dawidjuk, Leiter von LICHT IM OSTEN Ukraine, zum aktuellen Stand und zur Stimmungslage in seinem Land:

Die von der ukrainischen Regierung veröffentlichten Corona-Lockerungen, die mit dem 11. Mai 2020 in Kraft getreten sind:

Verlängerung der Quarantäne-Maßnahmen bis zum 22. Mai.

Training für Athleten von Nationalmannschaften ist mit individueller Schutzausrüstung erlaubt.

Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungseinrichtungen dürfen öffnen mit der Auflage, dass sich im Radius von 10 m2 nur jeweils eine Person aufhält.

Alle Spielplätze und Einkaufs- sowie Vergnügungszentren bleiben bis auf weiteres geschlossen.

Restaurants und Cafés dürfen öffnen, aber nur im Freien bedienen; der Abstand der aufgestellten Tische muss 1,5 Meter betragen.

Historische und kulturelle Einrichtung wie z.B. Museen sowie Parkanlagen sind geöffnet.

Theater-, Konzert- und Zirkusproben dürfen stattfinden, allerdings ohne Publikum.

Presseverkaufsstellen dürfen öffnen.

Die Beschränkung der Tätigkeit von Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern, Psychologen und Zahnärzten ist aufgehoben.

Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren bis auf weiteres nicht, wodurch die meisten Berufstätigen nicht zu ihrer Arbeitsstelle kommen können.

Versammlungen z.B. in Kirchen sind noch nicht wieder erlaubt. Erlaubt ist jedoch, in Gruppen bis zu 10 Personen Online-Gottesdienste aufzunehmen.

 

Die Maßnahmen werden von der Bevölkerung unterschiedlich aufgenommen:

Ein Teil der Bevölkerung unterstützt die Maßnahmen der Regierung voll und ganz.

Andere halten sie für übertrieben, sie befürchten, dass dadurch die ohnehin sehr schwache Wirtschaft in der Ukraine völlig zum Erliegen kommt.

Bis jetzt gibt es keine rebellischen Stimmen, aber die Menschen sind müde von der Situation.

Viele haben kein Einkommen mehr, weshalb eine Zunahme der Bandenkriminalität befürchtet wird.

 

KASACHSTAN: Anuar Tuleuow, Leiter von LICHT IM OSTEN Kasachstan, zur Situation in seinem Land:

Der Ausnahmezustand ist am 11. Mai aufgehoben worden. Folgende Maßnahmen gelten nach wie vor:

Geschäfte und Apotheken dürfen nur mit Mund-Nase-Schutzmasken betreten werden. Auch in Autowerkstätten und Friseursalons müssen die Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Die Ausfallstraßen der Städte sind durch Straßensperrungen geschlossen. Es gibt Sondergenehmigungen.

Für den Besuch von Privatkliniken ist eine Anmeldung erforderlich.

In Städten unter Quarantäne fahren die öffentlichen Verkehrsmittel noch nicht. Hier sind nur Taxis und private Fahrzeuge erlaubt.

Züge fahren derzeit noch nicht wieder. Der Flugverkehr wird langsam wieder in Betrieb genommen. Für ein Flug-Ticket muss eine Bescheinigung über einen negativen Corona-Virus-Test vorgelegt werden.

Unterhaltungszentren, Restaurants, Moscheen und Kirchen sind noch geschlossen.

Es wird bis jetzt empfohlen, keine Spaziergänge in Parks und Grünanlagen zu machen.

Der Staat kündigte finanzielle Hilfe in Form einer Einmalzahlung von umgerechnet ca. 93 EUR an. Aber nur wenige haben diese erhalten, geschweige denn eine zweite Zahlung. Für kinderreiche Familien, Rentner und Menschen mit Behinderung wurde Unterstützung bei der Zahlung der Wohnnebenkosten in Aussicht gestellt. Aber dafür muss eine hohe bürokratische Hürde genommen werden.

Nicht alle Banken gewähren Zahlungsaufschub für Kredite, und viele Menschen befinden sich in einer finanziellen Krise.

Viele befürchten, dass die Schulen und Kindergärten bis in den September hinein nur online arbeiten werden.

 

Zurück