Die Lage in Armenien, im Kaukasus und in Moldawien

Die Lage in Armenien, im Kaukasus und in Moldawien

Unsere Partner aus Süd-Ost berichten zur Corona-Situation in ihrem Land

Drei weitere Skizzierungen der Situation aus unseren Einsatzländern.

 

Armenien: Suren Arutjunjan, Leiter von LICHT IM OSTEN Armenien, berichtet:

„Es ist bereits drei Monate her, dass das Leben in Armenien in weiten Teilen zum Stillstand gekommen ist. Wie die ganze Welt durchlebt auch unser Land eine schwierige Corona-Zeit. Zu Beginn der Pandemie nahmen sowohl die Bevölkerung als auch die Behörden die Krankheit nicht besonders ernst. Erst Tage später wurde das Ausmaß der Lage offensichtlich und im ganzen Land wurde der Notstand ausgerufen.

Die Beschränkungen wurden jedoch nur halbherzig befolgt, was eine rasche Ausbreitung des Virus zur Folge hatte. Der Staat war daher gezwungen, den Ausnahmezustand zu verlängern und die Beschränkungen weiter zu verschärfen. Es folgten zusätzliche Maßnahmen: Der öffentliche Verkehr wurde eingestellt und in allen Großstädten wurden Kontrollpunkte eingerichtet, um die Bewegung der Menschen zu kontrollieren. Größere Menschenansammlungen wurden unterbunden wie z.B. in Bildungs- und Kultureinrichtungen, Unterhaltungsstätten und natürlich in Kirchen. Daraufhin wurden alle Aktivitäten ins Internet verlagert. Diesmal zeigten die Einschränkungen Wirkung.

Jedoch sind die negativen Auswirkungen auf die sozioökonomische Situation des Landes enorm. Viele Arbeitgeber konnten keine Gehälter mehr zahlen und mussten Mitarbeiter entlassen. Die Schließung der Grenzen führte dazu, dass diejenigen, die sonst als Saisonarbeiter im Ausland arbeiten, ohne Einkommen blieben. Das alles führte zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote. Armenien ist als kleines und armes Land in der noch anhaltenden schwierigen postrevolutionären Zeit nicht in der Lage, der gesamten Bevölkerung ausreichend Arbeit zu bieten. Die Corona-Krise hat die wirtschaftlichen Probleme nun noch weiter verschärft. Um dieser Misere zu entkommen, sah sich der Staat gezwungen, die Beschränkungen zu lockern. So wurden Anfang Mai die Ausgangs-Beschränkungen aufgehoben, mehrere Produktionsbetriebe nahmen ihren Betrieb wieder auf und einige Kaufhäuser und Freiluft-Sommercafés haben wieder geöffnet. Nur öffentliche Verkehrsmittel, Bildungseinrichtungen und Kirchen blieben geschlossen.

Jetzt sind die Straßen wieder voller Menschen, die Straßen voller Autos und die Innenhöfe voller spielender Kinder. Die Folge ist nun ein erneuter rasanter Anstieg der Infektionszahlen um das Doppelte auf täglich 100-120 Menschen, was zu großen Problemen führen wird. Denn unser Land hat einen großen Mangel sowohl an medizinischem Personal und medizinischer Ausrüstung als auch an Krankenhausbetten. Es kursieren bereits Gerüchte, dass die Bedingungen des Ausnahmezustands höchstwahrscheinlich in Kürze wieder verschärft werden. Dies wiederum wird nicht ohne Folgen bleiben für die finanzielle und wirtschaftliche Lage unseres Landes wie auch für die soziale Lage unseres Volkes.

Obwohl die Situation keineswegs ermutigend ist, glauben wir dennoch, dass all dies nicht außerhalb der Kontrolle unseres Herrn liegt, so dass wir nicht aufhören, für unser Land und für die ganze Welt zu beten.“

 

Kaukasus: Alim Kulbajew, unser Missionar im russischen Kaukasus, schreibt:

„Wie überall steht auch unserer Republik ganz im Zeichen von Einschränkungen und Quarantäne. Die Menschen bleiben zu Hause und üben soziale Distanz. In der Öffentlichkeit darf man sich nur mit Masken und Handschuhen bewegen.

Viele Unternehmen haben die Arbeit eingestellt, die Angestellten bleiben ohne Einkommen und dadurch sind viele Familien in finanzielle Nöte geraten. Jegliche Massenveranstaltungen sind verboten, Gebetshäuser sind geschlossen, da Versammlungen mit vielen Personen nicht stattfinden dürfen. Stattdessen werden Gottesdienste und Lobpreis über das Internet übertragen. In unserer Republik mit einer Bevölkerung von 900.000 Menschen sind über 1.500 Menschen am Corona-Virus erkrankt und täglich kommen 80 - 100 Personen hinzu.

Da wir nur sehr wenige Personen in unserer Gemeinde sind, können wir weiterhin die Bibelstunde halten und Gottesdienst am Sonntag feiern. Aber wir vermissen es, uns wie gewohnt häufiger treffen zu können. Gott sei Dank ist niemand aus unserer Gemeinde krank geworden, alle sind gesund.

In dieser notvollen Zeit, in der die Menschen Ängste vor Verlust der eigenen Gesundheit, vor finanziellen Problemen und vor der Zukunft haben, sendet Gott uns unter unsere vorwiegend muslimischen Mitmenschen, mit denen wir vermutlich in ‚guten‘ Zeiten vielleicht niemals in Kontakt gekommen wären.

Einige Glaubensgeschwister haben sich als freiwillige Helfer in einer Organisation unserer Republik zur Verfügung gestellt, die alten Menschen hilft, die unter den aktuellen Bedingungen nicht selbst einkaufen, in die Apotheke oder zur Bank gehen oder sonstige Dinge erledigen können.

Über diese Organisation ist es möglich, dass wir uns zum Wohl der Menschen einbringen. Bei Bedarf erhalten wir einen Anruf von dieser Organisation, bei dem sie uns die Adresse geben und das Anliegen nennen, bei dem wir konkret helfen können. Oftmals wird hierbei ein Auto gebraucht, um zu den betreffenden Personen und Familien zu fahren. Außerdem gibt es eine Reihe von Familien in verschiedenen Ortschaften, die wir regelmäßig besuchen, um ihnen zu helfen. Bei all diesen Begegnungen erzählen wir von Jesus Christus und laden die Menschen ein, Trost und Hoffnung beim Herrn zu suchen und sich mit Gott zu versöhnen.

Außerdem haben wir Schutz-Masken genäht. Die Empfänger, darunter auch medizinische Einrichtungen, sind uns sehr dankbar für diese ganz praktische Hilfe.

Niemand weiß, wie lange diese besondere Situation noch andauern wird. Aber wir nehmen die Geschehnisse aus Gottes Hand. Was auch immer noch geschehen mag, wir erinnern uns an die Worte Jesu Christi und sein Gebot an die Jünger: Gehet hin und predigt das Evangelium! Dazu sind wir jederzeit bereit: den Menschen Zeugnis zu geben. Bitte beten Sie für uns, für unser Volk und für unsere Gemeinde. Möge der Allmächtige auch Sie in dieser Krise segnen!“

 

Moldawien: Vitalij Pokidko, Leiter von LICHT IM OSTEN Moldawien, teilt mit:

„Es gibt eine erste Lockerung in unserem Land...

Den Kirchen, die einen Innenhof haben, wurde erlaubt, sonntags einen Gottesdienst im Freien durchzuführen, mit der Auflage, dass der Abstand von 2 Metern voneinander einzuhalten ist und alle Besucher Schutzmasken sowie Handschuhe tragen.

Man darf in Parks spazieren gehen, aber nicht mehr als drei Personen zusammen.

Das Betreten von Apotheken und Geschäften ist nur mit Maske erlaubt. Wenn man ein Geschäft ohne Maske betritt, droht eine Geldstrafe von 1.100 Euro. Es laufen nun deutlich mehr Menschen mit Maske durch die Straßen als noch während der strengen Quarantäne. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren eingeschränkt und noch nicht wieder in vollem Umfang.

Restaurants und Unterhaltungszentren bleiben bis auf weiteres geschlossen.

Die Kinder lernen weiterhin online und kehren nicht vor Juni in die Schule zurück.


Für die Menschen in unserem Land ist die Situation sehr schlimm.

Der Staat bietet den Menschen keine Sozialhilfe, keine Lebensmittelhilfe, keine Finanzhilfe und auch keine Hilfe zum Bezahlen der Wohnnebenkosten.

Heute hat sich eine Person verzweifelt an mich gewandt und gesagt: ‚Vitalij, ich brauche Lebensmittel.‘ Diese Person hat früher anderen Menschen geholfen und nun ist sie selbst auf Hilfe angewiesen. Daran sieht man, dass es des Menschen landauf, landab schlecht geht und nicht nur denjenigen, denen es vorher auch schon schlecht ging, sondern nun auch vielen, die vorher besser dastanden.

Wir hoffen und trauen auf Gott in dieser herausfordernden und bedrohlichen Zeit.“

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