Kinderstimmen für Christus

Jeder, der schon mal im Süden Russlands war, möchte unbedingt wieder dorthin. Gäste kaukasischer Familien erinnern sich noch lange an die freundliche Aufnahme und den reich gedeckten Tisch. Trotz des niedrigen
Wohlstands sind Kaukasier großzügig und gastfreundlich. Die majestätischen Berge und Gletscher verschlagen Besuchern regelrecht die Sprache. Der Nordkaukasus lässt niemanden gleichgültig.

 

Diese Region ist schön, aber auch gefährlich. Die hier lebenden Völker sind bereit, jegliche Schwierigkeit und Entbehrung zu ertragen, insbesondere wenn es um die Verteidigung des heimischen Herdes und des Fleckchens Heimaterde geht. Gegenüber ihren Feinden sind die Kaukasier grausam, nachtragend, manchmal heimtückisch. Gegenüber Freunden sind sie großmütig, gegenüber Alten ehrerbietig. Die Völker des Nordkaukasus sind religiös. Sie bekennen sich zum Islam.


Der Nordkaukasus ist eine sehr unruhige Region. Die Konfrontation der Völker und der Religionen schwelt hier schon seit Jahrzehnten. Täglich sterben Polizei- und Regierungsbeamte durch die Hand von Terroristen. In den letzten zwei Jahren wurden über 700 (!) Terroranschläge verübt. Hunderte sind dabei umgekommen. Doch die Menschen leben hier. Sie richten sich darauf ein und haben nicht vor, die instabile Region zu verlassen. Für die Urvölker des Nordkaukasus ist dies das Land ihrer Vorfahren, also auch ihr Land.

Tschetschenienkrieges“, kam ein Flüchtlingsstrom nach Wladikawkas, der Hauptstadt Nord-Ossetiens. Die Menschen brauchten Brot und Kleidung, doch am meisten benötigten sie seelischen und geistlichen Trost. Mit humanitären Hilfsgütern, die aus dem Inneren Russlands sowie aus Deutschland und Holland an die Nord-Ossetische Mission geliefert wurden, konnten wir den Flüchtlingen spürbar helfen. Doch materielle Hilfe allein kann die Seele nicht heilen. Wir wussten: Nur Gott vermag die Flüchtlinge zu trösten. Deshalb luden wir sie in die Gemeinde ein.


Am 7. Januar 1995 veranstalteten wir in einer Film- und Konzerthalle in Wladikawkas ein Weihnachtskonzert für die Zwangsumsiedler aus der Tschetschenischen Republik. Die Kinder aus der Sonntagsschule der Gemeinde „Nadeschda“ (Hoffnung) traten zum ersten Mal „öffentlich“ auf. Es war die Geburtsstunde des TROPINKA-Chors. Die Kinder sangen Lieder von Gott und seinem Wort, von seiner Größe und der Ewigkeit. Die Flüchtlinge waren tief bewegt. Einige folgten dem Aufruf, sich selbst der Herrschaft und Barmherzigkeit Gottes anzuvertrauen. Wie Balsam wirkte das Gebet auf ihre Seelen.

 

Am 24. Dezember 2010 war der Versammlungsraum unserer Mission überfüllt. Zum weihnachtlichen Wohltätigkeits-Konzert kamen über 750 Menschen. Darunter waren Kinder der „ehemaligen“ Flüchtlinge und Zwangsumsiedler, die sich inzwischen in Nord-Ossetien niedergelassen haben. Außerdem  kamen Kinder aus kinderreichen und bedürftigen Familien sowie einsame alte Menschen, die von der Mission betreut werden. Eine Sonntagsschul-Gruppe trug ein christliches Anspiel vor. Der TROPINKA-Chor bezeugte Gott mit wunderbarem harmonischem Gesang. Die Zuhörer drückten ihre Begeisterung mit stürmischem Beifall aus. Das Lächeln auf den Gesichtern der Kinder und Erwachsenen und ihr Wunsch, die Gemeinde näher kennenzulernen, waren ein reichlicher Dank für uns, die wir nunmehr zum fünfzehnten Mal dieses Wohltätigkeitsfest organisiert und durchgeführt haben.


Fünfzehn Jahre im Dienst für Gott und die Menschen – in dieser Zeit gab es im TROPINKA-Chor schon mehrmals einen Generationswechsel. Einige ehemalige TROPINKA-Sänger sind inzwischen über 25, verheiratet, haben Kinder. Sie sind aktive Gemeindeglieder, singen im Gemeindechor oder im Lobpreisteam mit. Die Zusammensetzung des TROPINKA-Chors ändert sich, doch seine Lebens- und Dienstprinzipien bleiben gleich: Die Vokalisten dürfen nicht älter sein als 15; singen darf jeder, unabhängig davon, ob er Christ ist oder nicht und ob die Eltern zur Gemeinde gehören. Die treue, beständige Chorleiterin Elmira Dschanajewa gibt den Kindern liebevoll ihr ganzes Können weiter und die Kinder hängen sehr an ihr. Frieden und Harmonie prägen die Atmosphäre der Gruppe.

 

1995 wurde im kleinen Tonstudio der Nord-Ossetischen Mission das erste
Album aufgenommen. Inzwischen wurden acht Alben mit christlichen Liedern in verschiedenen Sprachen aufgenommen. Die evangelistischen Auft ritte reichen längst über die Grenzen Nord-Ossetiens hinaus. Im nahen und fernen Ausland kennt und liebt man den TROPINKA-Chor. Sein „Geheimnis“ steckt in ungeheurem Fleiß, im Zusammenhalt und in großer Zielstrebigkeit. Alle Chormitglieder sind sich dessen bewusst, dass sie mit ihrem Gesang Gott loben und einen missionarischen Dienst tun. Seit Jahren schon erzählen ihre Lieder von der Liebe Gottes vor Kriegsveteranen und Senioren, vor Behinderten und Bedürft igen. Der TROPINKA-Chor fehlt bei keiner unserer Veranstaltungen.

 

Im Januar 2011 hatte der TROPINKAChor zwölf evangelistische Einsätze. Im einem Bergdorf, wo man nur sehr schwer hinkommt, wurden wir von den Schülern und Lehrern der dortigen Schule bereits ungeduldig erwartet. Die überfüllte Aula erinnerte an einen aufgeschreckten Bienenschwarm. Doch dann füllte sich der Saal mit den Klängen geistlicher Lieder. Der „Bienenschwarm“ beruhigte sich fast augenblicklich. Mit angehaltenem Atem lauschten Schüler und Lehrer. Die andächtige Stille wurde nur durch begeisterten Applaus unterbrochen. Im Bus auf dem Heimweg meinte Elmira Dschanajewa: „Als wir in dieses Dorf fuhren, war ich so aufgeregt: Wie wird man uns wohl empfangen? Doch man hat uns nicht nur gut empfangen,  sondern sogar Tische für uns gedeckt und den Kindern noch Geschenke mitgegeben.“ Fortan werden die TROPINKA-Kinder in dieser Schule als gute Freunde erwartet.

 

Für das Konzert im Dorf Michajlowskoje bereiteten sich die Kinder besonders sorgfältig vor. Ich glaube, sie beteten sogar mehr und fl eißiger als sonst. Das Konzert sollte in einer off enen Sonderschule für straff ällige Kinder und Teenager stattfi nden. Die meisten der 123 Schüler im Alter von 11 bis 19 Jahren sind aggressiv und unberechenbar. Doch gerade sie, vom Leben gezeichnete, verbitterte Jugendliche, brauchen Gottes Liebe. Erst wollte einer sitzenbleiben und zuhören. Als sie aber den Gesang hörten, veränderten sie sich allmählich: Die Gesichter wurden weicher, manche lächelten oder hatten sogar Tränen in den Augen. Der Same fiel auf guten Boden. Inzwischen kommen sogar einige Schüler zu den Gottesdiensten in die Nadeschda-Gemeinde. Der Schulleiter und sein Stellvertreter beziehen jetzt die Zeitschrift en GLAUBE UND LEBEN und TROPINKA.

 

Russland ist mit 17 Mio. km² Fläche das größte Land der Erde, auf zwei Kontinenten gelegen, mit 21 Republiken und vielen autonomen Gebieten. Von Norden nach Süden sind es über 4.000 km, von Westen nach Osten fast 10.000 km. Wohin sich der TROPINKA-Chor als Nächstes begibt, weiß nur der Herr. TROPINKA ist mobil. Gott gibt die Möglichkeit, das Evangelium in Russland zu verkündigen. Die Türen der Gnade sind immer noch offen!

 

Valerij Lunitschkin
Leiter der Nord-Ossetischen Mission in Wladikawkas, einer Partnermission von LICHT IM OSTEN

 

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